Projektkurs Geschichte

Ein Pott voller Geschichte und Geschichten

Das wirkliche Leben kann spannender sein als jeder Roman und die aufregendsten Stories findet man häufig direkt vor der eigenen Haustür. So steckt auch das Ruhrgebiet voller bemerkenswerter Geschehnisse in Vergangenheit und Gegenwart, denen Schülerinnen und Schüler im Projektkurs Geschichte unter Leitung von Dr. Frank Bardelle in diesem Schuljahr bereits zum vierten Mal in Folge nachspüren.

Da geht es um „Rotes Licht und schwarze Kohle“, delinquente Milieus und kriminelle Machenschaften im Revier.

Da geht es um Anna Spiekermann, die im Jahre 1706 als eines der letzten Opfer des Hexenwahns in Westerholt hingerichtet wurde, nicht etwa im „finsteren“ Mittelalter also, sondern im Morgenlicht der Aufklärung.

Da geht es um den Raubritter Jost von Burg Blankenstein und um seine Berufskollegen auf der Wasserburg Lüttinghof, die vorbeiziehenden Kaufleuten auch schon mal die Hosen herunterzogen, mit flachen Klingen auf nackte Hintern schlugen und die Pfeffersäcke zum „Geldscheißen“ aufforderten.

Da geht es um Henry Hadley, einen englischen Privatlehrer, der als erstes ziviles Opfer des Ersten Weltkrieges gilt, tödlich getroffen von der Kugel aus der Pistole eines preußischen Offiziers im Hauptbahnhof Gelsenkirchen.

Da geht es um die in Gelsenkirchen geborene Clara Wortmann, die unter dem Künstlernamen Clara Waldoff als Sängerin Erfolge feierte und deren „Beene janz Berlin verrückt“ gemacht haben sollen, wie sie in einem ihrer berühmtesten Chansons trällerte.

Und es geht auch um „Das Wunder des Malachias“, einen Film, den der deutsche Regisseur Bernhard Wicki Anfang der Sechziger unter anderem in Gelsenkirchen drehte: Dem frommen Pater Malachias ist das Bordell gegenüber seiner Kirche ein Ärgernis und er betet inständig zu Gott, das Sündenbabel möge doch vom Erdboden verschwinden. Als der Puff dann über Nacht mitsamt sämtlichen  Damen des leichten Gewerbes tatsächlich ohne jede Spur einfach weg ist, plagen den armen Malachias alsbald die heftigsten Gewissensbisse.

Das sind nur einige wenige der Fundstücke, die der „Misthaufen der Geschichte“ birgt, wo vieles von dem landet, das den Kanon der Schulweisheit gewöhnlich nicht erreicht. Doch ist gerade ein Misthaufen unter ökologischer Perspektive eines der lebendigsten und fruchtbarsten Systeme überhaupt.

Im Projektkurs bringen wir den Mist zum Sprießen, so dass er bunte Blüten treibt, die Verstand und Herz gleichermaßen erfreuen. Sie finden Ausdruck in sechs- bis siebenminütigen Power-Point-Präsentationen zu den selbstgewählten Themen, ergänzt durch schriftliche Beiträge in Form einer Facharbeit und ein „Projekttagebuch“, das den Prozess des selbständigen Stöberns und Forschens dokumentiert.

Dabei ist uns jeder unausgegorene Sinn lieber als jeder ausgegorene Unsinn.

nach oben